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Und plötzlich war's passiert!


Quelle: Ochtruper Tageblatt

Unverhofft kommt oft. Zumindest laut Marcel Bremer. Es ist Sonntag, 14.52 Uhr, Bremer verdeckt mit den Händen sein Gesicht und ringt mit den Tränen. „Eigentlich wollte ich ja erst nächstes Jahr“, gibt er zu. Doch dafür ist es jetzt zu spät. Das letzte Stück Vogel liegt vor seinen Füßen, die Glückwünsche nehmen kein Ende und Uwe Krude, Vorsitzender des Schützenvereins, steht längst mit der Königskette bereit. Seit ein paar Sekunden ist es amtlich: Marcel Bremer ist neuer König der Allgemeinen Bürgerschützen von Metelen.

Eine halbe Stunde zuvor steht der Ausgang des diesjährigen Königsschießens noch in den Sternen. Um 14.38 Uhr, kurz nach der letzten Schießpause, geht das Rennen um die Königswürde in die heiße Phase. Die Reihe der Anwärter lichtet sich, nur noch drei Willige zielen fleißig auf das Stück Holz am Himmel: Michael Woltering, Stefan Averbeck und Marcel Bremer wollen die Sache unter sich ausmachen. Letzte Tipps werden eingeholt, die Schüsse sitzen und Späne rieseln zu Boden. Doch damit ist es nicht getan. Eine Entscheidung muss her.

„Ich lass Euch hier nicht mehr weg“, sagt der Vorsitzende Uwe Krude lachend. Die Drei sind sich darüber bewusst: Die Lage ist ernst. Woltering, Averbeck, Bremer - Beisitzer Michael Bründer kann die Namen der Schützenbrüder längst blind ins Kassenbuch eintragen. Doch der Vogel bleibt weiterhin unbeeindruckt. Von einer Bruchlandung hält er nicht viel. Stattdessen dreht sich das hölzerne Federvieh gleich mehrmals um die eigene Achse. Bremer setzt an - daneben. „Wegen der Drehung ist der jetzt noch schwieriger zu treffen“, meint er. Von Nervosität spricht hier niemand. Stattdessen klatschen sich die Anwärter gegenseitig ab, klopfen sich auf die Schultern und fachsimpeln über den optimalen Treffer.

14.49 Uhr, Woltering ist an der Reihe. Der Schuss sitzt: Erste Drehung, zweite Drehung, das Stück Holz bricht in der Mitte auseinander. Alle halten den Atem an. Doch der Vogel will einfach nicht fallen. Woltering kann es nicht fassen. Niedergeschlagen nimmt er den Schützenhut ab und weiß: Die Sache ist gelaufen. „Der nächste Schuss macht alles komplett“, sind sich auch die ungeduldigen Zuschauer einig.

Stefan Averbeck wird bereits bejubelt. „Avi, du machst das!“, rufen seine Freunde. Ein einfacher Treffer genügt. Doch Averbeck vergibt. Ein Raunen geht durch den Wald. Auf einmal liegt alles in den Händen von Marcel Bremer. Der schaut noch einmal kurz hoch, fackelt nicht lange und drückt ab. Der Vogel segelt zu Boden. Der neue König kann es kaum fassen. Die Menge jubelt und unzählige Gratulanten tummeln sich um ihre neue Majestät. Der Königin, Freundin Jennifer Leußink, steht die Überraschung ins Gesicht geschrieben. „Da hab ich aber einen gut bei Dir“, stellt die 19-Jährige verschmitzt gegenüber ihrem Freund klar.

Nur Michael Woltering macht es sich ein wenig abseits gemütlich. Er bleibt wohl der tragische Verlierer des Nachmittags. „Immerhin hab ich die Arbeit dazu ge-leistet“, sagt er nüchtern. Doch die Lust am Feiern lässt auch er sich nicht nehmen: Zum Toast auf den neuen König reißt er die Hände in die Lüfte. So macht man das eben unter „Brüdern“.

 
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